Bedürfnisorientiert Stillen

Stillen ist Nähe und Liebe und Nahrung
Stillen ist Nähe und Liebe und Nahrung

Ein Gastbeitrag Von Lina, Stillspezialistin Aus Hamburg

Bedürfnisorientiertes Stillen bzw stillen nach Bedarf ist noch in vielen Bereichen fremd. Wie oft habe ich selbst oder von anderen Müttern gehört, dass Habammen dazu raten, alle 3 oder 4 Stunden anzulegen, bloß nicht zu oft, nicht zum einschlafen sonst holt man sich gleixh Probleme ins Haus... All das vermittelt modernen Müttern, die ansonsten gerne bedürfnisorientiert leben wollen sehr viel Unsicherheit. Deshalb habe ich Lina Mazzoni von Stillbar-Hamburg um ihre Expertise gefragt und daraus ist dieser Betrag entstanden. 

Wir sprechen heute meistens vom "Stillen nach Bedarf" das bedeutet, dass immer wenn ein Baby Hunger hat es gestillt werden sollte. Jedoch geht es beim Stillen um so viel mehr als nur um die Ernährung. Muttermilch versorgt das Baby mit allen wichtigen Nährstoffen zum Wachsen und Gedeihen. Sie enthält Hormone, Antikörper, Wachstumsfaktoren, lebende Zellen, Mirco-RNA und noch viel mehr. Stillen bietet Nähe, Sicherheit, Geborgenheit, ist praktisch, kostenfrei, ökologisch und das Ernähren an der Brust ist verantwortlich für die physiologische Ausformung des Mundraumes und der Entwicklung der Gesichtsmuskulatur. Die Bezeichnung "bedürfnisorientiertes Stillen" jedoch schließt alle Bedürfnisse des Babys und der Mutter mit ein.

Durch das Eingehen auf die Hungerzeichen des Babys, wird die langfristige Beziehung zur Nahrungsaufnahme unterstützt. Das bedeutet zu essen, wenn man hungrig ist und zu stoppen, wenn man satt ist.

Dieses Verhalten kann "Neu-Eltern" manchmal verunsichern. Denn viele haben noch die Vorgaben vom Stillen nach Uhr im Kopf. Wenn ein Baby häufiger stillen möchte, befürchten viele Müttern, dass ihre Milch nicht ausreiche. Doch häufig ist genau das Gegenteil der Fall. Das häufige Stillen, besonders in der ersten Lebenswoche unterstützt die Milchbildung und sorgt dafür, dass die Milchbildung gut in Gang kommt und sich etabliert.


Wie Oft Muss Ich denn Jetzt Stillen?

Die Stillfrequenz- und dauer ist sehr individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die meisten Babys zwischen 8-12x in 24 Stunden stillen. Die Frequenz kann jedoch an manchen Tagen oder nach ein paar Wochen oder Monaten variieren.

Ein Faktor für die Stillfrequenz ist die individuelle Milchbildung. Diese ist wiederum hauptsächlich abhängig von der Häufigkeit des Stillens und die Häufigkeit ist abhängig von der Speicherkapazität der Brust (wieviel kann die Brust maximal fassen), der Magengröße des Babys und was noch gerade anliegt. Das Bedürfnis zu Stillen steigt zum Beispiel  bei Wachstumsschüben, Krankheit oder an aufregenden oder heißen Tagen und ein Baby, dessen Mutter zum Beispiel eine kleinere Speicherkapazität hat, muss meist auch häufiger trinken.

Besonders wenn das Baby neue Fähigkeiten erlernt, können sich einige Stillmahlzeiten in die Nacht verlagern. Hier kann es dann passieren, dass die Bedürfnisse von Mutter und Baby sich unterscheiden und auch das macht bedürfnisorientiertes Stillen aus. Wenn die Bedürfnisse des Einen die des Anderen so sehr überlagern, dass es das Wohlbefinden und den Alltag beeinflusst, muss an der Situation etwas geändert werden.


Warum Muss Mein Kind So Oft Stillen

Die menschliche Muttermilch hat einen niedrigen Fett- und Proteingehalt und enthält dafür viele Kohlenhydrate, wie Lactose. Dies macht die Muttermilch gut und schnell verdaulich. Das ist wichtig, um das noch unreife Verdauungssystem zu entlasten und eine regelmäßige Kalorienzufuhr zu haben, was unter Anderem für die Hirnreifung wichtig ist.


Stillen muss immer für beide Seiten passen
Stillen muss immer für beide Seiten passen

Wieso Ist Bedürfnisorientiertes Stillen Sinnvoll?

Es unterstützt nicht nur das normale Essverhalten von Neugeborenen und älteren Babys, sondern es ist auch verbunden mit einer langfristigen besseren Milchproduktion. Besonders in den ersten Tagen/Wochen ist die regelmäßige Entleerung wichtig. Babys die früh zugefüttert werden oder künstliche Sauger bekommen, stillen nicht ihre Bedürfnisse an der Brust. In diesen Fällen kommt es häufiger zu Problemen bei der Milchbildung der Frau. Babys die nach der Geburt nach Bedarf gestillt werden, erreichen meist schneller ihr Geburtsgewicht wieder, bzw. haben einen geringeren Gewichtsverlust, haben seltener Probleme mit verstärkter Neugeborenengelbsucht und nehmen mehr Milch auf, als nach Uhr gestillte Babys. Es zeigte sich zudem, dass bedürfnisorientiert gestillte Babys länger gestillt werden.

Bedürfnisorientiertes Stillen In Der Nacht?

Regelmäßiges Stillen in der Nacht ist nicht nur aufgrund der kleine Magengröße und der stetig notwendig Kalorienzufuhr wichtig, sondern es ist auch SIDS Prophylaxe. Babys, die dicht bei ihrer Mutter schlafen, können ihrer Temperatur besser halten und Herz- & Atemfrequenz sind regelmäßiger.

Auch die Milchbildung wird besonders durch das nächtliche Stillen gefördert. Das Milchbildungshormon Prolaktin ist besonders hoch in der Nacht. Wird dann die Brust entleert, wird im Verhältnis mehr Milch produziert bzw. es werden mehr notwendige Hormonrezeptoren freigeschaltet.

Studien zeigen, dass stillende Mütter im Durchschnitt 45 Minuten mehr Schlaf bekommen, als Flasche fütternde Mütter. Die Zubereitungszeit der Flaschennahrung fällt weg und die gestillten Babys fanden meist schneller wieder in den Schlaf.

Trotzdem ist das Stillen in der Nacht auch einer der  häufigsten Faktoren, weswegen angefangen wird zuzufüttern, abzustillen oder etwas an der normalen Schlafroutine zu verändern. Weil die Gesellschaft von Babys erwartet, dass sie durchschlafen, weil manche Babys sehr häufig nachts stillen oder weil der Schlafmangel die Mama, die sich tagsüber auch noch um Haushalt und Geschwisterkinder kümmern muss, an ihre Grenzen bringt.


Lina Mazzoni
Lina Mazzoni

Fazit von mir:

Wenn euch das stillen Probleme oder Sorgen macht, holt euch auf jeden Fall Hilfe! 

Lina findet ihr z. B. Unter www.stillbar-hamburg.de



Übrigens:

Auch bei mir in der Schlafberatungen muss NICHT abgestillt werden, damit sich der Schlaf verbessert!