Gewalt Unter Der Geburt

Ein Gastbeitrag Von Lea (Psychologin und Psychotherapeutin I. A.)

Egal ob Notkaiserschnitt oder vaginale Geburt, jedes dieser Erlebnis kann individuell als verletzten empfunden werden
Egal ob Notkaiserschnitt oder vaginale Geburt, jedes dieser Erlebnis kann individuell als verletzten empfunden werden

Das Frauen unter der Geburt Gewalt erleben, ist immer noch ein großes Tabu Thema. Es wird nicht darüber gesprochen und viele Frauen erkennen sogar diese noch nicht mal, weil sie einfach froh sind, dass es ihnen und ihrem Kind gut geht. Trotzdem spüren sie oft innerlich das Gefühl, nicht glücklich über den Verlauf ihrer Geburt zu sein oder sorgen sogar unter einen Trauma. Lea ist Psychologin und Psychotherapeutin in Ausbildung und forscht zu dem Thema Gewalt unter der Geburt. Heute darf ich hier ihren Gastbeitrag präsentieren:

In den letzten Jahren hat dieses Thema zunehmend an medialer Präsenz gewonnen. Es gibt bspw. den Roses Revolution Day, an welchem Frauen, welche Gewalt erlebt haben dazu aufgerufen sind, eine rosafarben Rose vor dem Kreißsaal niederzulegen, in welchem sie Gewalt erfahren haben. Außerhalb dieses Tages ist das Thema leider wenig präsent: es gibt wenig Studien oder Fachbücher dazu.


Die Zahlen aus meiner aktuellen Studie zeigen, dass ca. 30% aller Frauen mindestens eine Form von Gewalt erlebt haben. Das heißt circa 3 von 10 Frauen sind betroffen. Die Chance ist also hoch, dass du in deinem Umfeld mindestens eine betroffene Mutter hast. Und doch wissen die meisten nichts davon.


Das liegt zum einen daran, dass viele Frauen Schweigen und denken, dass ihre negativen Gefühle gegenüber der Geburt normal sind, zum anderen, weil es schwierig ist zu definieren, was in dem Kontext Geburt Gewalt überhaupt ist. Bei etwas so Subjektivem kann man keine objektiven Maßstäbe anlegen. Die Deutungshoheit obliegt der Frau und so kann eine objektiv leichte interventionsarme Geburt bei entsprechender Disposition der Frau als gewaltsam erfahren werden und andersrum eine objektiv interventionsreiche, schwierige Geburt kann subjektiv als angenehm wahrgenommen werden. Man kann sich das auch wie ein Fass vorstellen: bei Frauen, die bspw. eine psychische Vorerkrankung haben, die Schwangerschaft ungeplant war oder es viele Konflikte in der Partnerschaft gab reicht weniger, um dieses zum Überlaufen zu bringen. Aber was genau „bringt Fässer zum Überlaufen“? Das kann zum Beispiel grenzüberschreitendes Verhalten des Personals sein, bspw. abwertende Kommentare, (unnötige) Eingriffe ohne Zustimmung der Mutter usw.

Eine traumatische Geburt aufzuarbeiten ist wichtig für die ganze Familie
Eine traumatische Geburt aufzuarbeiten ist wichtig für die ganze Familie

Denn die Mütter bleiben nach der Geburt mit dem Erlebten oft allein. Aus Scham und Angst „versagt“ zu haben schweigen Sie. Oft hören sie Dinge aus dem Umfeld wie: „Dein Kind ist doch gesund, konzentrier dich auf das Schöne“, „früher haben wir uns auch nicht so angestellt“ oder „du musst jetzt stark für dein Kind sein“ usw.  


Dabei haben sie Gefühle wie bspw.  wiederkehrende, unerwünschte Erinnerungen an die Geburt, Scham-, Schuld- oder Versagensgefühle, Versuche, Gedanken an die Geburt zu vermeiden, Alpträume… Diese Symptome erzeugen oft einen hohen Leidensdruck, der in der anstrengenden Zeit nach der Geburt besonders belastend sein kann.


Daher ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen. Diese findet man beispielsweise bei deiner Hebamme, deinem Gynäkologen, einem psychologischen Psychotherapeuten, Beratungsstellen oder dem Verein Schatten & Licht e.V.